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Eine der Kolumnen, die Beat Gloor seit fünf Jahren wöchentlich für die Werbewoche schreibt.

Nostallergie

     Früher — ich zitiere aus dem kollektiven Unterbewusstsein — war alles einfacher. Früher gab es den Duden als allein selig machende letzte Instanz der deutschen Sprache. Aber alles verändert sich, sogar die Orthografie, die sich heute bereits mit f schreiben lässt. Ja, die Nostalgie — sie ist auch nicht mehr, was sie mal war ...
     In seiner «Elegie auf den Tod eines Lauts» weinte Karl Kraus um 1900 dem Thau und dem Muth bittere Thränen nach. Er beschimpfte die Reformer, die dieses h entfernen wollten, als «Abortographen» und nahm den Schwund des Dehnungs-h vorweg: erlos und werlos werde man später einmal sein — ohne h.
     Darüber debattieren wir heute noch. In der Zwischenzeit hat sich das Bureau zum Büro gemausert, aus der Race wurde die Rasse, aus dem Friseur wird unaufhaltsam der Frisör, noch haben wir nicht den Fosfor, aber wir fotografieren und fantasieren schon, und auch die Axe und das Kerzenwax sind nur noch eine Frage der Zeit.
     Früher war es einfacher. Vielleicht. Aber früher waren auch die Fische grösser, die Bars schmieriger, die Männer besser rasiert, und selbst die Ewigkeit dauerte irgendwie länger.

Beat Gloor
text control, Zürich

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